Ein Blick über den Tellerrand: Social Media Plattformen für 2020

Facebook, Instagram.. und dann?

Allein im vergangenen Jahrzehnt hat sich die Welt der sozialen Netzwerke stark verändert.

Beeinflusst von Trends, Zeitgeist und Marktsituation, kann sich eine beliebte Plattform binnen kurzer Zeit zum regelrechten Profil-Friedhof wandeln – genauso wie manche Seiten erst nach jahrelangem Bestehen zu Aufmerksamkeit gelangen. Dass auch die frisch angebrochenen, goldenen Zwanziger von Veränderung geprägt sein werden, sollte damit auch gesetzt sein.

Schon jetzt zeigen sich Entwicklungen, die bald die gesamte Netzkultur umkrempeln könnten: Netzwerke wie TikTok stehlen den Dauerbrennern Facebook, Instagram und Snapchat die Show, gleichzeitig rückt die Microblogging-Plattform Twitter wieder in den Mittelpunkt, während XING und LinkedIn im Business-Bereich erstarken. Doch warten auch neue, bisher unbekannte Netzwerke bereits in den Startlöchern.

Zeit, sich ein wenig umzusehen!

Goodbye, my Lover – diese Netzwerke mussten bereits weichen

Internet-Urgesteine werden sich noch an den Moment erinnern, als sie etwa zum Einstieg in die 2010er-Jahre widerwillig von MySpace zu Facebook zogen. Die ehemals beliebteste Social Media Plattform, die eng mit der Musikszene verknüpft war, konnte im Hinblick auf Seitenaufrufe zeitweise sogar über Google und Yahoo hinwegsetzen.

Obwohl die Seite dank individueller Profilgestaltung jedem zweiten Millenial einen Grundkurs in Sachen HTML verpasste, verlor sie ihre Mitglieder gegen Ende der Nullerjahre an Facebook. Die Nutzer tauschten ihre liebevoll hergerichteten Profile gegen ein schlichtes Einheitsdesign, welches nicht jedem Besucher das derzeitige Lieblingslied entgegenplärrte.

Gleichzeitig schien die Community bei MySpace mit der Plattform erwachsen geworden zu sein – Facebooks Altersbeschränkung von mindestens 13 Jahren und die Nutzung von Realnamen schien die Nutzer zu dem Zeitpunkt an der richtigen Stelle abzuholen.

Auch die Video-Plattform Vine legte einen Senkrechtstart hin, indem sie der Netzkultur eine eigene Art von Humor gebar. Die maximal sieben Sekunden langen Videos stellen das Vermächtnis der Plattform, das bis heute kopiert, doch unerreicht bleibt. Schon bevor Vine 2013 an den Start ging, wurde das Unternehmen von Twitter aufgekauft.

Mit der Einführung der Instagram Story hatte Vine plötzlich kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Hinzu kam, dass die Miniclips bei Instagram 15 Sekunden lang sein durften – also etwa doppelt so lang wie bei Vine. Weitere Netzwerke, die sich nicht durchsetzen konnten, sind beispielsweise die exklusive Community Ello wie auch Google Plus.

Während Erstere bereits ihren Reiz verlor, nachdem man einen Einladungslink ergattern konnte, schien Letztere nicht exklusiv genug: Mit jedem Google-Konto kam automatisch ein Account für das soziale Netzwerk des Suchmaschinengiganten einher, den allerdings irgendwie keiner so richtig wollte.

Doch bleibt am Ende die Frage: Welches beliebte Netzwerk verlässt uns als nächstes? Schließlich sind die Alternativen vielversprechend…

Diese sozialen Netzwerke könnten 2020 groß werden

Wohin es uns in diesem frischen, unverbrauchten Jahr 2020 verschlägt, wissen wir noch nicht genau.

Wer aus der Vergangenheit gelernt hat, weiß schließlich, dass soziale Netzwerke teilweise auch ein Revival durchmachen können – laut Social Media Experten ist eine solche Entwicklung wahrscheinlicher, als dass Newcomer die bestehenden Netzwerke vom Markt drängen. Twitter beispielsweise funktioniert schon seit seiner Gründung auf ein und dieselbe Art und Weise, trotzdem ist das Netzwerk in letzter Zeit erneut schlagartig populär geworden.

Nichtsdestotrotz zeigt etwa der Erfolg der einiger Apps, dass auch neue Plattformen Teil unseres Alltags werden können. Aus diesem Grund wollen wir an dieser Stelle einige interessante Plattformen vorstellen, deren rasanter Aufstieg uns nicht überraschen würde. Allgemeine Tendenz: Video-Plattformen!

  1. TikTok

Die chinesische App TikTok haben wir bereits im ersten Absatz als Beispiel angeführt. Warum? Weil sich bei dem Video-Netzwerk bereits jetzt schon eine ernstzunehmende Konkurrenz zu Social Media Größen wie Instagram und Snapchat abzeichnet.

Das Konzept der Plattform ist im Grunde nicht neu: TikTok war hierzulande früher hauptsächlich als Musical.ly bekannt – eine Community, in welcher vorrangig Lipsync-Videos gepostet werden.

So verwundert es nicht, dass hauptsächlich Teenager auf die Plattform ansprachen und teilweise sogar zur Prominenz wurden: Die Zwillinge Lisa und Lena etwa verdanken ihren Ruhm tatsächlich Videos, in welchen sie ihre Lippen zu Pop-Songs bewegen. Seit 2019 ist Musical.ly offiziell in TikTok übergegangen – eine Community, welche im Gegensatz zum Vorgänger nicht nur die jüngere Generation anspricht.

Selbst in Marketing-Kreisen ist das Video-Netzwerk mittlerweile ein wichtiges Thema geworden. Somit solltest Du das soziale Netzwerk dieses Jahr besonders gut im Auge behalten, alle Vorzeichen stehen auf Hype!

  1. Lasso

Apropos TikTok: Ebenso wie bei Vine, gibt es auch für TikTok einen zu Facebook gehörenden Konkurrenten. Allein deshalb sollte die Videoblogging-App Lasso als direkter Konkurrent nicht unterschätzt werden.

Die Nähe zu Facebook ermöglicht den Usern, Inhalte auch direkt als Facebook Story zu posten – die Schnittstelle zu Instagram soll als nächstes folgen. Auch die bestehende Community wie auch der finanzielle Support sind praktisch.

Allerdings bleibt abzuwarten, ob die Zielgruppe – hauptsächlich Teenager –, sich tatsächlich für den Tik-Tok-Klon begeistern lässt.

  1. Houseparty

Videotelefonie ist längst ein alter Hut und ermöglicht Menschen aus aller Welt, selbst die größte geografische Distanz zu überbrücken. Eine waschechte Familienzusammenführung oder, ja, eine Hausparty waren bislang eher schwierig.

Dies soll mit der Gruppenchat-App Houseparty nun ein Ende haben: Mit über 20 Millionen Nutzern auf der ganzen Welt beschreibt sich die App nicht zu Unrecht als „face to face social network“. Obwohl Gruppen-Videochats auch bei anderen Netzwerken möglich sind, ist es das sympathische Branding der App wie auch die Möglichkeit, Freunde von Freunden kennenzulernen, die sie über andere Dienste hervorheben.

Umso besser: Das Gaming Feature, welches seit 2018 in den Chat integriert ist. Hiermit können Gruppen von Freunden gemeinsam Spiele spielen.

  1. Caffeine

Die Livestream-App Caffeine bietet ihren Nutzern genau das, was auch eine leckere Tasse frischen Kaffees morgens bewerkstelligt: Erfrischend und auf einen Schlag mitten im Geschehen, bietet die Plattform Usern die Möglichkeit, andere in Echtzeit an ihrem Leben teilhaben zu lassen.

An sich scheint die Idee wenig revolutionär – schließlich bietet auch Instagram eine Live-Funktion, die auch von Influencern weltweit gern und häufig genutzt wird. Der Teufel steckt jedoch im Detail: Von ehemaligen Apple-Entwicklern geschaffen und bereits als Plattform für namhafte Events genutzt, scheint die App trotzdem interessant genug für einen angehenden Trend.

Gemeinsam mit Freunden ein Spiel verfolgen und sich live austauschen zu können, bringt besonders für Sport-Fans Vorteile. Im Zentrum der Livestream-Community sollen aber nicht nur die „echten“ Sportarten stehen: Auch eSports und Gaming haben bei Caffeine einen hohen Stellenwert.

Übertragungen lassen sich auch vom Computerbildschirm oder dem heimischen Fernseher aus schalten – somit erinnert die Plattform zusätzlich an das Netzwerk Twitch.

  1. Steemit

Zum Abschluss: Ein Netzwerk, das dem nach Zukunft und Fortschritt klingenden Jahr 2020 wirklich gerecht werden könnte. Die dezentral organisierte Plattform Steemit, die eigentlich schon seit 2016 als Social Media- und Blogging-Plattform funktioniert, erinnert an Seiten wie Reddit oder 9Gag.

User können ihre Fotos, Videos und andere Beiträge mit anderen teilen und die Posts anderer Nutzer nach Belieben mit Likes versehen. Hier wird es jedoch interessant: Die sogenannten Upvotes, die man bei Steemit für einen Post erhalten kann, werden mit Steem-Coins vergütet – einer Kryptowährung, die dem Account gutgeschrieben wird und im Anschluss gegen eine beliebige Währung ausgetauscht werden kann.

Für ein geregeltes Einkommen eignet sich die Plattform vermutlich nicht, da die Währung Wertschwankungen unterliegt und es natürlich nicht planbar ist, immer eine bestimmte Anzahl von Likes zu erhalten. Doch befeuert die Möglichkeit, sich für seinen Content bezahlen zu lassen, selbstverständlich den Spaß.